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Pierre Bourdieu
Die Ausgeschlossenen oder
Das Elend der Welt

Bearbeitung & Regie: Rainer Escher

Die alten Reichen brauchten die Armen, um reich zu werden. Die neuen globalisierten Reichen brauchen die Armen nicht mehr.

Die Eliten in Wirtschaft und Politik sind nicht abzubringen von dem Gedanken der Arbeit für alle, zwar soll es eine neue "und nicht mehr die alte" Vollbeschäftigung sein. Infolgedessen sind sie seltsam farbenblind für das Ausmaß der Hoffnungslosigkeit, das sich in den Überflüssigen-Ghettos ausbreitet, die sich von der Existenzsicherung durch Erwerbsarbeit abgeschnitten sehen. Sowohl linke wie rechte Parteien, neue und alte Sozialdemokraten, Neoliberale und Sozialstaatsnostalgiker wollen nicht wahrhaben, dass sich unter den Bedingungen des jobless growth Arbeit längst von einem großen Integrator in einen Mechanismus der Ausgrenzung verwandelt hat.

In unserem Projekt sollen "Schmarotzer" und "Sozialbetrüger", wie sie der ehemalige Wirtschaftsminister Clement nennt, die von den Zugängen zur gesellschaftlichen Teilhabe Ausgeschlossenen zu Wort kommen. Wir wollen jedoch die Figuren nicht in ihrem Elend einsperren, sie nicht unter das Joch allumfassenden Unglücks zwängen und ausstellen, wir wollen aber auch kein Kollektiv entstehen lassen, das das Versprechen birgt, die Trostlosigkeit des Einzelnen ließe sich auffangen. Sie sollen eine Stimme bekommen "ihre Stimme", die ihr Exil der Scham und der Schande aufbricht und wahrnehmen lässt. Stimmen, die zu einem Chor, einem Oratorium werden.

Das "Theater im Trafohaus" setzt in Kooperation mit der „neuen Studiobühne LU“ mit "Die Ausgeschlossenen" seine Reihe mit gesellschaftlichen Fragestellungen fort, die wir mit dem "Kleinen Schmerz" und dem "Kick" begonnen haben. Die Inszenierung wird wieder mit sehr einfachen theatralen Mitteln arbeiten, so dass an unterschiedlichsten Orten Aufführungen möglich sind.

Wer ist Pierre Bourdieu

Pierre Bourdieu, am 1.August 1930 in Denguin (Pyrénées Atlantiques) geboren, besuchte dort das Lycée de Pau und wechselte 1948 an das berühmte Lycée Louis-le-Grand nach Paris. Nachdem er die Eliteschule der École Normale Supérieure durchlaufen hatte, folgte eine außergewöhnliche akademische Karriere. Von 1958 bis 1960 war er Assistent an der Faculté des lettres in Algier, wechselte dann nach Paris und Lille und wurde 1964 Professor an der École Pratique des Hautes Études en Sciences Sociales. Seit 1975 gibt er die Forschungsreihe Actes de la recherche en sciences sociales heraus. 1982 folgte schließlich die Berufung an das Collège de France. 1993 erhielt er die höchste akademische Auszeichnung, die in Frankreich vergeben wird, die Médaille d'or des Centre National de Recherche Scientifique. 1997 wurde ihm der Ernst-Bloch-Preis der Stadt Ludwigshafen verliehen.

In seinem wohl bekanntesten Buch La distinction (1979, dt. Die feinen Unterschiede, 1982) analysiert Bourdieu wie Gewohnheiten, Freizeitbeschäftigungen, und Schönheitsideale dazu benutzt werden, das Klassenbewußtsein auszudrücken und zu reproduzieren. An zahlreichen Beispielen zeigt Bourdieu, wie sich Gruppen auf subtile Weise durch die feinen Unterschiede in Konsum und Gestus von der jeweils niedrigeren Klasse abgrenzen.

Seit dem Beginn der 90er Jahre engagiert sich Bourdieu für eine demokratische Kontrolle ökonomischer Prozesse. 1993 rief er zur Gründung einer "Internationalen der Intellektuellen" auf, deren Ziel darin besteht, das Prestige und die Kompetenz im Kampf gegen Globalisierung und die Macht der Finanzmärkte in die Waagschale zu werfen. Die im selben Jahr gegründete Zeitschrift Liber soll dazu ein unabhängiges Forum bieten. Seine politischen Aktivitäten zielen darauf ab, eine Versammlung der "Sozialstände in Europa" einzuberufen, die den europäischen Einigungsprozeß kontrollieren und begleiten soll.

Pierre Bourdieu stirbt am 23. Januar 2002 in Paris.

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