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Stillleben in einem Graben


Regie. Mathias Wendel
Bühnenbild. Holger Endres
Kostüme: Eva Roos
Es spielen: Elisabeth Auer, Hedwig Franke, Dirk Mühlbach, Gerhard Piske, Reda Regragui, Ingo Wackenhut und weitere.
 
Fausto Paravidino, dieser Sezierer der italienischen Gesellschaft, hat mit „Stillleben in einem Graben“, einer Abfolge von Monologen ein Tableau einer typischen Kleinstadt, wie sie überall in Europa stehen könnte geschaffen. Eine alt-linke bürgerlich gewordene Mutter, die die Ehe mit ihrem Mann nur noch als Fassade lebt, ein paar Jugendliche und Kleinkriminelle, die sich einen ständigen Kampf um ein paar Euro liefern oder auch um ein paar Tausend, und deren abendliches Ausgehvergnügen von Drogen und Frustration geprägt ist, ein Kommissar wie aus einem Film Noir, der sich bemüht das bisschen Ordnung, unter dem es schon verdächtig brodelt um jeden Preis aufrecht zu erhalten und drumherum sensationsgeile Medien, Aufsteiger, Verlierer und Karrieristen.
Und obwohl es sich vordergründig um einen Krimi handelt, der durchaus genreüblich mit Finten und Täuschungen eine krasse Pointe erzeugt, wodurch für spannende Unterhaltung gesorgt ist, verweisen sowohl der Titel als auch die handlungslose Aneinanderreihung von Statements auf einen Stillstand hin, der mehr ist als nur Analogie eines Gesellschaftszustandes: Eine Warnung kristallisiert sich hier heraus, dass der Stillstand in Fäulnis übergehen könnte – oder eine gewaltige Explosion ankündigt. Eine spannende literarische/theatrale Form, die dem B-Picture Theaterbrisanz verleiht.
(Bild: Wikipedia - Rogier von der Weyden, Triptychon der Familie Braque)
   

Wer ist Fausto Paravidino?

Fausto Paravidino (* 15. Juni 1976 in Genua)
gilt als das „Wunderkind“ der italienischen Dramatik. In seinem Stück „Peanuts“ thematisiert Paravidino den G8-Gipfel in Genua. Auch in dem wenig später im Auftrag des Londoner Royal Court Theaters entstandenen Werk „Genua 01“ widmet sich der junge italienische Autor dem Thema G8. 300 000 Menschen kamen 2001 nach Genua, um für das Ende von Hunger, Unterdrückung und Krieg, für eine gerechte Weltordnung und gegen die Zerstörung der Umwelt zu demonstrieren. Doch sie waren mit einem Ausmaß polizeilicher Gewalt konfrontiert, das an die blutigen Diktaturen in Chile und Argentinien erinnert: Der 23-jährige Carlo Giuliani starb durch die Kugel eines Carabiniere, friedliche Massendemonstrationen wurden mit Tränengas beschossen, bei Straßenschlachten gab es hunderte Verletzte. Allein bei einer nächtlichen Razzia in einer Unterkunft der Demonstranten schlugen Polizisten auf 90 Gipfelgegner so heftig ein, dass 60 von ihnen schwerverletztins Krankenhaus mussten. „Genua 01“ ist eine bittere Bestandsaufnahme der Ereignisse während des G8-Gipfels im Sommer 2001. Paravidino möchte mit seinem semidokumentarischen Stück aufklären und lässt keinen Zweifel daran, wer aus seiner Sicht die Verantwortung für die tragischen Ereignisse trägt. Er montiert Zeugenaussagen, Polizeiprotokolle und Medienberichte zu einer Chronologie, in deren Mittelpunkt der Tod Carlo Giulianis steht. Das Stück wurde in der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz in Deutschland uraufgeführt.
(Quelle: Wikipedia)

 
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