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Die Surrealisten

Recherchen im Reich der Sinne

- Eine theatrale Installation –

"Ein Mann und eine Frau schlafen miteinander:
Inwieweit kann der Mann den Orgasmus der Frau erkennen?" – "Würden Sie mit einer Nonne schlafen?" – "Fühlen Sie sich bei der Liebe durch die Anwesenheit eines Dritten gestört?"

André Breton geht es im Januar 1928 nicht gut. Er hat Liebeskummer; er lebt mit einer Frau, Simone, zusammen, aber nach einer anderen, Suzanne, sehnt er sich. Die Beziehung zur einen ist eher spirituell, die zur anderen unverhohlen sexuell. Breton reagierte auf dieses emotionale Tohuwabohu auf seine ihm typische Weise. Am Abend des 28ten Januars 1928 fand in Paris in der Rue du Château, wo sich André Bretons Wohnung befand, eine Treffen der Surrealisten statt. Einziger Tagesordnungspunkt: "Umfragen zur Sexualität". Anwesend sind: Queneau, Tanguy, Prévert, Péret Naville und Unik. Bei späteren Treffen, insgesamt sollten es zwölf werden, werden noch Max Ernst, Eluard, Artaud, Aragon und viele andere teilnehmen.

"Diese Untersuchung hat kein anderes Ziel, als der Sexualität den Platz in der Liebe einzuräumen, der ihr gebührt." Breton und die Surrealisten wollen die subversive Kraft des sexuellen Begehrens bloßlegen, jene Kraft, die als einzige das verhaßte bürgerliche System, die Ordnung der Väter und die Werte von Familie, Religion und Vaterland unterminieren kann. Aber so sehr sich die Surrealisten auch als Gruppe verstanden, die bei ihren "Recherchen" eine einheitliche Linie verfolgen wollten, es waren doch alles krasse Individualisten, die sich über nichts – oder nahezu nichts – einigen konnten.

Schon bei Bretons erster Frage nach den objektiv erkennbaren Kriterien des Orgasmus der Frau, gibt es keinen Konsens. Jeder der Anwesenden hat eine andere Antwort parat. Und so geht es weiter: egal ob es um Impotenz, Bordelle, sexuelle Vorlieben, Homosexualität und und und geht. Von heute aus gesehen sind diese Gespräche teilweise unfreiwillig komisch, staunenswert unwissend und auch wieder grenzenlos naiv, und manchmal können sich diese Männer nur noch in Selbstironie retten. Aber sie dokumentieren auch eine schonungslose Offenheit, bei der sich keiner der Anwesenden hinter leeren Floskeln verstecken kann. Die Herren, die hier versammelt sind, lassen im wahrsten Sinne des Wortes die Hosen runter.

Unter der Leitung von Rainer Escher liest und spielt das "Neue EnsemblE" mit Elisabeth Auer, Hedwig Franke, Monika-Margret Steger, Peter Haberer, Sascha Koal, Dirk Mühlbach, Gerhard Piske und Mathias Wendel Auszüge aus den zwölf Gesprächen.

 
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